Aug 2023
-
11 Minuten
by
Luca Andrea Donati

Überwindung der Kameraangst: Tipps für Selbstsicherheit

Warum wir uns vor der Kamera plötzlich anders wahrnehmen

Kameraangst bedeutet selten, dass jemand tatsächlich Angst vor einem technischen Gerät hat. Meist entsteht das unangenehme Gefühl durch das, was die Kamera symbolisiert: In einem bestimmten Moment wird das eigene Aussehen festgehalten und anschliessend möglicherweise von anderen betrachtet und bewertet.

Im Alltag erleben wir unser Gesicht dagegen völlig anders. Wir sprechen, bewegen uns, verändern permanent unsere Mimik und sehen uns selbst nur selten aus der Perspektive einer anderen Person. Ein Foto friert aus diesem kontinuierlichen Eindruck einen Bruchteil einer Sekunde ein. Genau deshalb kann ein einzelnes Bild überraschend fremd wirken.

Warum das eigene Gesicht auf Fotos ungewohnt aussehen kann

Einer der wichtigsten Gründe ist erstaunlich banal: Wir kennen unser Gesicht hauptsächlich aus dem Spiegel.

Gesichter sind nicht vollkommen symmetrisch. Das bedeutet, dass die spiegelverkehrte Version unseres Gesichts leicht anders aussieht als diejenige, die andere Menschen sehen. Untersuchungen zur Gesichtswahrnehmung zeigen diesen Familiaritätseffekt recht deutlich. In einer Studie bevorzugten 71 Prozent der erwachsenen Versuchspersonen die spiegelverkehrte Version ihres eigenen Gesichts. Bei einer vertrauten anderen Person war es genau umgekehrt: Die Mehrheit bevorzugte deren normale, nicht gespiegelte Ansicht.

Quelle: PubMed Central (PMC)

Das erklärt einen Teil des bekannten Phänomens: Du siehst ein professionelles Foto von dir und denkst: Irgendetwas stimmt nicht.

Andere Menschen sehen möglicherweise überhaupt nichts Ungewöhnliches. Sie kennen genau diese Orientierung deines Gesichts bereits. Der Unterschied ist nicht unbedingt, dass du auf dem Foto schlechter aussiehst.

Du siehst dich lediglich aus einer Perspektive, die für andere vertrauter ist als für dich selbst.

Der sogenannte Mere-Exposure-Effekt kann dabei ebenfalls eine Rolle spielen. Vereinfacht beschreibt er, dass Vertrautheit unsere Bewertung eines Reizes beeinflussen kann. Studien zur Wahrnehmung des eigenen Gesichts haben diesen Zusammenhang zwischen Gewöhnung und Präferenz für das Spiegelbild wiederholt untersucht.

Quelle: ScienceDirect

Das ist ein wesentlich hilfreicherer Ausgangspunkt als die Annahme:

„Ich bin unfotogen.“

Ein Foto ist keine neutrale Kopie deines Gesichts

Noch wichtiger ist ein zweiter Punkt. Eine Kamera bildet dein Gesicht nicht unabhängig von der Aufnahmesituation immer gleich ab. Aufnahmeabstand, Perspektive und Brennweite können die sichtbaren Proportionen verändern.

Eine Untersuchung mit 45 Personen verglich Portraits derselben Gesichter bei äquivalenten Brennweiten von 50, 85 und 105 Millimetern. Obwohl jeweils dieselben Personen fotografiert wurden, unterschieden sich sowohl die gemessene Gesichtsform als auch die Wahrnehmung der Bilder durch 369 Beurteilende.

Quelle: PubMed Central (PMC)

Der zugrunde liegende Effekt ist perspektivisch. Wird eine Kamera sehr nahe an das Gesicht gebracht, erscheinen Elemente, die näher an der Kamera liegen, relativ grösser. Die Nase kann beispielsweise stärker hervortreten, während weiter hinten liegende Bereiche kleiner erscheinen.

Eine neuere Untersuchung zur digitalen Gesichtsfotografie fand bei sehr kurzen Aufnahmeabständen ebenfalls messbare Verzerrungen. Bei Smartphone-Aufnahmen aus nur wenigen Zentimetern beziehungsweise sehr kurzen Distanzen veränderten sich Gesichtsproportionen deutlich.

Quelle: PubMed

Das ist besonders relevant, weil viele Menschen ihren eigenen Eindruck von „Fotogenität“ ausgerechnet aus Smartphone-Selfies ableiten. Ein ungünstiges Selfie aus kurzer Distanz ist aber kein neutraler Beweis dafür, wie du auf Fotos aussiehst. Es ist eine Aufnahme unter ganz bestimmten geometrischen Bedingungen.

Warum ein einzelnes schlechtes Foto wenig über dich aussagt

Neben der Perspektive kommt die Mimik hinzu. Ein menschliches Gesicht ist ständig in Bewegung.

Während eines Gesprächs verändern sich:

01 Augen
02 Mundwinkel
03 Augenbrauen
04 Kopfhaltung
05 Muskelspannung
06 Blickrichtung

teilweise innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Unser Gegenüber nimmt diese Bewegungen als kontinuierlichen Gesamteindruck wahr. Die Kamera kann dagegen genau den Zwischenmoment festhalten, in dem gerade geblinzelt wird, ein Wort ausgesprochen wird oder sich der Gesichtsausdruck zwischen zwei natürlichen Zuständen befindet. Deshalb kann selbst von einer Person, die auf 99 Aufnahmen hervorragend aussieht, ein hundertstes Bild entstehen, das sie überhaupt nicht mag.

Ein einzelnes Foto ist also keine objektive Bewertung deines Aussehens. Es ist eine Perspektive, ein Licht, eine Brennweite und ein Sekundenbruchteil. Diese Unterscheidung hilft vielen Menschen bereits dabei, vergangene schlechte Fotos weniger stark als Urteil über das eigene Aussehen zu interpretieren.

Was während eines Portraitshootings tatsächlich Sicherheit schafft

Die häufigste Unsicherheit vor einem professionellen Shooting lautet nicht:

Welche Kamera wird verwendet?

Sondern:

Was soll ich eigentlich machen?

Viele Menschen stehen nur selten professionell vor einer Kamera. Trotzdem erwarten sie von sich selbst plötzlich, intuitiv zu wissen:

01 wie sie stehen sollen,
02 wohin mit den Händen,
03 wie stark sie lächeln sollen,
04 wohin sie schauen sollen,
05 welche Körperhaltung funktioniert.

Das ist eine unrealistische Erwartung.

Posing ist nicht die Aufgabe der fotografierten Person allein. Ein professioneller Portraitfotograf muss eine Situation schaffen, in der du nicht permanent darüber nachdenken musst, was richtig oder falsch aussieht.

Gute Anleitung reduziert Unsicherheit

Ein Portraitshooting sollte deshalb nicht aus Anweisungen bestehen wie:

„Sei einfach natürlich.“

Für jemanden, der sich vor der Kamera unsicher fühlt, ist das fast die schwierigste Anweisung überhaupt.

Hilfreicher sind kleine, konkrete Veränderungen:

01 Dreh die Schultern leicht nach rechts oder Links.
02 Verlagere dein Gewicht etwas auf das hintere Bein.
03 Kinn ein kleines Stück nach vorne.
04 Schau kurz an mir vorbei und dann wieder zur Kamera.
05 Entspann die Schultern.

Solche Anweisungen reduzieren die Anzahl der Entscheidungen, die du selbst treffen musst. Dadurch verschiebt sich die Aufmerksamkeit weg von:

„Wie sehe ich gerade aus?“

hin zu:

„Was mache ich als Nächstes?“

Das wirkt zunächst wie ein kleiner Unterschied, verändert aber häufig die gesamte Atmosphäre eines Shootings.

Lucas Snowboard-These

Eine einfache Merkhilfe aus unseren Portraitshootings: Denk an Skifahren oder Snowboarden. Wer leicht seitlich steht, das Gewicht etwas verlagert und nicht komplett frontal zur Kamera steht, wirkt meistens natürlicher und stabiler.

Lucas These dazu ist simpel: Wer auf dem Snowboard gut steht, steht meistens auch vor der Kamera gut.

Ganz wörtlich muss man das natürlich nicht nehmen. Aber die Grundidee funktioniert erstaunlich oft. Eine leicht gedrehte Haltung wirkt entspannter als eine komplett frontale Position und gibt Schultern, Oberkörper und Kopf mehr Richtung.

Ein guter Fotograf korrigiert, bevor du einen Fehler überhaupt bemerkst

Viele Menschen beurteilen sich während eines Shootings viel strenger als notwendig. Ein erfahrener Portraitfotograf sieht dagegen technische und körperliche Details früh:

01 ungünstige Kopfhaltung,
02 hochgezogene Schultern,
03 angespannte Hände,
04 unruhige Kleidung,
05 Reflexionen in der Brille,
06 störende Haare,
07 unvorteilhafte Perspektive.

Du solltest diese Dinge deshalb nicht permanent selbst kontrollieren müssen. Genau darin liegt ein wichtiger Teil professioneller Portraitfotografie:

Der Fotograf übernimmt einen Teil der visuellen Kontrolle, damit sich die fotografierte Person weniger kontrollieren muss.

Das ist auch der Grund, weshalb „fotogen sein“ keine Voraussetzung für ein gutes Portraitshooting ist. Ein guter Fotograf arbeitet nicht mit der Erwartung, dass jemand bereits weiss, wie er vor der Kamera funktioniert. Die Führung durch diesen Prozess gehört zur fotografischen Arbeit.

Tethered Shooting kann Unsicherheit reduzieren

Bei Portraitproduktionen arbeiten wir häufig mit sogenanntem Tethered Shooting. Dabei wird das aufgenommene Bild unmittelbar von der Kamera auf einen grösseren Bildschirm übertragen. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Du musst nicht zwanzig Minuten fotografiert werden und hoffen, dass am Ende etwas funktioniert hat.

Wir können früh gemeinsam überprüfen:

01 Welche Haltung wirkt gut?
02 Welcher Gesichtsausdruck fühlt sich richtig an?
03 Funktioniert die Kleidung?
04 Passt die Richtung?
05 Soll die Wirkung offener, ernster oder ruhiger werden?

Das gibt Kontrolle zurück.

Gleichzeitig ist allerdings wichtig, nicht nach jedem einzelnen Bild in eine permanente Selbstkritik zu geraten. Die Bildkontrolle sollte Orientierung geben, nicht dazu führen, dass jede minimale Veränderung des eigenen Gesichts analysiert wird. Deshalb zeigen wir lieber gezielt gute Zwischenresultate und entwickeln diese gemeinsam weiter.

Die ersten Minuten müssen nicht die besten Bilder liefern

Das ist ein Punkt, der bei Shootings häufig unterschätzt wird. Menschen brauchen unterschiedlich lange, um sich an eine Kamera zu gewöhnen. Die ersten Aufnahmen dienen deshalb nicht nur der Fotografie. Sie sind gleichzeitig eine Kalibrierungsphase.

Der Fotograf erkennt:

01 welche Gesichtshälfte bevorzugt wird,
02 wie sich jemand natürlich bewegt,
03 welche Körperhaltung funktioniert,
04 wie viel Anleitung hilfreich ist,
05 welche Mimik authentisch wirkt.

Und die fotografierte Person lernt gleichzeitig:

01 wie der Fotograf arbeitet,
02 was bestimmte Anweisungen bewirken,
03 wie die Bilder tatsächlich aussehen,
04 dass kleine Fehler keine Katastrophe darstellen.

Deshalb sollte man das erste Bild eines Shootings nicht mit dem finalen Ergebnis verwechseln. Ein gutes Portrait entsteht häufig durch Annäherung und nicht beim ersten Auslösen.

Wie du dich auf ein Fotoshooting vorbereitest, ohne dich zu verstellen

Vorbereitung hilft gegen Kameraangst. Aber Vorbereitung bedeutet nicht, vor dem Spiegel zwanzig verschiedene Posen auswendig zu lernen. Im Gegenteil: Zu viele selbst auferlegte Regeln können dazu führen, dass du während des Shootings noch stärker kontrollierst, ob du alles „richtig“ machst. Hilfreicher ist eine Vorbereitung, die Unsicherheit reduziert.

Kläre zuerst, wofür du die Bilder brauchst

Ein Portrait funktioniert nicht unabhängig von seinem Zweck. Ein Bewerbungsfoto benötigt eine andere Wirkung als:

01 ein LinkedIn Portrait,
02 ein CEO Portrait,
03 Personal Branding Content,
04 ein Editorial Portrait,
05 ein Mitarbeiterfoto.

Sprich deshalb vor dem Shooting darüber:

01 Wo wird das Bild eingesetzt?
02 Wer wird es sehen?
03 Welche Wirkung soll entstehen?
04 Wie möchtest du dich selbst darauf wiedererkennen?

Diese Fragen sind wesentlich hilfreicher als: Welche Pose soll ich machen? Denn sobald das Ziel klar ist, können Licht, Kleidung, Hintergrund und Ausdruck darauf abgestimmt werden.

Kleidung sollte Sicherheit geben und nicht zusätzliche Aufmerksamkeit verlangen

Für ein Portraitshooting musst du dich nicht verkleiden. Kleidung funktioniert am besten, wenn sie zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllt: Sie passt zum Verwendungszweck und du fühlst dich darin selbstverständlich. Wenn du während des gesamten Shootings daran denkst, ob ein ungewohntes Kleidungsstück richtig sitzt, steigt die Selbstbeobachtung unnötig.

Bei professionellen Portraits sind deshalb oft jene Outfits am stärksten, die bereits Teil des normalen beruflichen Auftretens sind. Mehrere Varianten mitzunehmen kann sinnvoll sein. Die endgültige Entscheidung lässt sich im Studio anhand von Hintergrund, Licht und gewünschter Wirkung treffen.

Sage vor dem Shooting, was dich verunsichert

Viele Menschen versuchen ihre Unsicherheit vor dem Fotografen zu verstecken. Das ist nicht notwendig.

Wenn du beispielsweise sagst:

„Ich mag meine linke Gesichtshälfte nicht besonders.“

oder:

„Auf Fotos wirkt mein Lächeln oft angespannt.“

ist das keine schwierige Information. Es ist eine hilfreiche Information. Der Fotograf kann darauf achten, verschiedene Varianten zeigen und überprüfen, ob deine bisherige Einschätzung unter professionellen Aufnahmebedingungen überhaupt noch zutrifft. Auch konkrete körperliche Merkmale dürfen angesprochen werden.

Wichtig ist nur, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:

Was soll fotografisch vorteilhaft dargestellt werden?

und

Was soll in der Retusche verändert werden?

Das ist nicht dasselbe.

Retusche sollte dich nicht zu einer anderen Person machen

Viele Unsicherheiten entstehen aus dem Vergleich mit einem idealisierten Selbstbild.

01 Glattere Haut.
02 Keine Augenringe.
03 Keine Falten.
04 Symmetrischeres Gesicht.
05 Schmaleres Gesicht.
06 Perfekte Haare.

Moderne Retusche könnte viele dieser Dinge technisch verändern. Aber technisch möglich bedeutet nicht automatisch sinnvoll. Gerade bei Business Portraits und Personal Branding muss die Person später wiedererkannt werden. Deshalb unterscheiden wir zwischen temporären Merkmalen und dauerhaften Merkmalen.

Temporäre Dinge können beispielsweise sein:

01einzelne Hautunreinheiten,
02 Fussel auf Kleidung,
03 kleine störende Haare,
04 kurzfristige Rötungen.

Dauerhafte Merkmale gehören dagegen zur Person. Falten, Gesichtsstruktur oder andere charakteristische Eigenschaften vollständig zu entfernen kann zwar ein scheinbar „perfekteres“ Bild erzeugen, gleichzeitig aber Wiedererkennbarkeit und Glaubwürdigkeit reduzieren.

Die sinnvollere Frage bei der Retusche lautet deshalb nicht:

Wie perfekt kann dieses Portrait werden?

Sondern:

Wie hochwertig kann dieses Portrait aussehen, ohne dass die Person darin verloren geht?

Gewöhne dich nicht an eine Pose, sondern an den Prozess

Der beste Weg zu mehr Sicherheit vor der Kamera besteht nicht darin, eine einzige perfekte Haltung zu lernen.

Hilfreicher ist es, zu verstehen:

01 Ich muss nicht selbst wissen, wie ich stehen soll.
02 Nicht jede Aufnahme muss gut sein.
03 Ein schlechtes Einzelbild sagt wenig aus.
04 Perspektive und Licht verändern meine Wirkung.
05 Ich darf während des Shootings Feedback geben.
06 Ein Portrait entsteht gemeinsam.

Dadurch verändert sich die Rolle der Kamera. Sie wird weniger zu einem Gerät, das dich beurteilt, und mehr zu einem Werkzeug innerhalb eines kontrollierten Prozesses. Und genau das ist häufig der entscheidende Schritt.

Häufig gestellte Fragen zur Kameraangst

Warum finde ich mich im Spiegel besser als auf Fotos?

Weil du dein Gesicht überwiegend spiegelverkehrt kennst. Da Gesichter leicht asymmetrisch sind, sieht die nicht gespiegelte fotografische Version für dich ungewohnt aus. Untersuchungen zeigen, dass Menschen häufig die spiegelverkehrte Version des eigenen Gesichts bevorzugen, während vertraute andere Personen eher die normale Ansicht bevorzugen. Das bedeutet nicht, dass du auf dem Foto schlechter aussiehst. Du siehst lediglich eine weniger vertraute Version deines Gesichts.

Quelle: PubMed Central (PMC)

Kann eine Kamera mein Gesicht tatsächlich unvorteilhaft darstellen?

Ja. Insbesondere der Aufnahmeabstand beeinflusst die Perspektive und damit sichtbare Gesichtsproportionen. Sehr nahe Smartphone-Aufnahmen können beispielsweise zentral liegende Gesichtspartien stärker erscheinen lassen. Studien haben messbare Veränderungen der Gesichtsform und auch Unterschiede in der Wahrnehmung bei verschiedenen Aufnahmebedingungen gezeigt.

Quelle: PubMed Central (PMC)

Bin ich wirklich unfotogen?

„Unfotogen“ ist wenig hilfreich als dauerhafte Eigenschaft einer Person. Dasselbe Gesicht kann je nach Perspektive, Licht, Mimik, Kameraabstand und Zeitpunkt sehr unterschiedlich wirken. Deshalb sagt eine Sammlung ungünstiger Smartphonebilder wenig darüber aus, wie ein professionell geplantes Portrait aussehen kann.

Was kann ich tun, wenn ich beim Fotografieren nicht weiss, wohin mit meinen Händen?

Du musst das nicht selbst lösen. Bei einem professionellen Portraitshooting sollte der Fotograf konkrete Anweisungen geben und Positionen Schritt für Schritt entwickeln. Hände wirken vor allem dann unruhig, wenn jemand versucht, bewusst eine vermeintlich perfekte Haltung einzunehmen. Kleine Aufgaben und natürliche Bewegungen funktionieren meist besser als starre Posen.

Sollte ich meine Bilder während des Shootings anschauen?

Gezieltes Feedback kann sehr hilfreich sein. Du erkennst dadurch früh, welche Haltung und welcher Ausdruck funktionieren, und bekommst Sicherheit über den Prozess. Allerdings sollte nicht jedes einzelne Bild analysiert werden. Eine gute Auswahl an Zwischenresultaten ist meist hilfreicher als permanente Selbstkontrolle.

Wie lange dauert es, bis man sich vor der Kamera entspannt?

Das ist individuell. Manche Menschen benötigen nur wenige Minuten, andere länger. Deshalb ist es sinnvoll, die ersten Aufnahmen als Teil des Ankommens zu betrachten und nicht sofort perfekte Ergebnisse zu erwarten. Ein gutes Portraitshooting lässt genügend Zeit, um Licht, Haltung und Ausdruck schrittweise zu entwickeln.

Weiterführende Quellen

Princeton University / Psychological Science
Willis und Todorov untersuchten, wie schnell Menschen anhand unbekannter Gesichter Eindrücke über Eigenschaften wie Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz bilden. Bereits nach 100 Millisekunden waren stabile Urteile vorhanden. Wichtig: Die Studie zeigt schnelle Wahrnehmung, nicht die objektive Richtigkeit dieser Einschätzungen. Princeton University

PLOS ONE / Charles University
Eine Untersuchung zu verschiedenen Brennweiten zeigt, dass die Bedingungen der Portraitaufnahme die dargestellte Gesichtsform und deren Wahrnehmung beeinflussen können. PubMed Central (PMC)

Forschung zur Wahrnehmung des eigenen Spiegelbilds
Studien zur Links-Rechts-Orientierung vertrauter Gesichter zeigen eine Präferenz vieler Menschen für das eigene spiegelverkehrte Gesicht und stützen damit die Erklärung, warum normale Fotografien des eigenen Gesichts zunächst ungewohnt wirken können.